18.05.2008   Michael Ritter
Geheimhaltung #3: Geheimnisse auf Reisen 

Begibt sich ein Geheimnis mit samt seinem Träger auf Reisen, sei es zur erholsamen Fotosafari im Kongo oder zum Business Breakfast in New York, so ergeben sich besondere Herausforderungen. So mancher ist neugierig auf das, was sich im Kopf des Reisenden befindet. Die Methoden zur Informationsgewinnung sind vielfältig. Der nette Plausch an der Poolbar, die Wanze im Hotelzimmer oder der besonders gut kontrollierte Internet-Zugang auf dem Zimmer - Gefahren lauern überall.

Bei Reisen über den großen Teich ist die Spionage inzwischen sogar offiziell legitimiert: der Zoll hat in den USA das Recht, Laptops und andere mobile Datenspeicher zu "kontrollieren" und sie dabei auch gleich zu kopieren. In manchen Ländern sind die Methoden auch gelegentlich etwas eindringlicher - vom zweistündigen "informellen Gespräch" in einem Hinterzimmer am Flughafen bis hin zu drastischeren Methoden. Doch diese sind glücklicherweise eine seltene Ausnahme.

Als kleine Hilfestellung für alle, deren Hutablageninhalt das Interesse ausländischer Schlapphüte und anderer hauptberuflicher Informationsbeschaffer erregen könnte, hier einige einfache Tipps. Der Begriff "Geheimnisträger" ist hier übrigens im weitesten Sinne zu verstehen - wer Geheimnisträger im Sinne staatlicher Geheimhaltung ist, der kennt dies (hoffentlich) schon alles.

Mensch...

  • Geheimnisträger sein ist cool, oder? Große Augen und der Hauch des Mysteriösen folgen dem "über meine Arbeit darf ich nicht sprechen". Besser und gesünder ist es, wenn es erst garniemand weiß. Bleiben Sie uninteressant.
  • Sollten Sie unter der Einbildung leiden, Sie würden Verfolger und Ausspäher aber erkennen: vergessen Sie es.
  • Sollten Sie unter der Einbildung leiden, trotz ihres besonderes Wissens würde sich niemand je die Mühe machen, ausgerechnet Sie auszuspähen: vergessen Sie es.
  • Werden Sie mißtrauisch bei emotionalen Erpressungen. Wer nur Ihr Freund sein will, wenn er oder sie alles ganz genau weiß, der ist nicht Ihr Freund.

... und Technik

  • Nehmen Sie in Sachen Laptop & Co. nur Daten mit, die sie wirklich benötigen.
  • Gerade bei Reisen in die USA kann es mittlerweile sinnvoll sein, die sensiblen Daten zu Hause zu lassen und bei Bedarf vom Zielort aus per VPN abzuholen.
  • Misstrauen Sie Ihrem Handy! Die mobilen Fernbuschtrommeln sind kinderleicht abzuhören. Telefone mit hochwertiger Verschlüsselungsfunktion sind eine gute Abhilfe, wenn sie eine ausreichende Qualität haben. Doch der Gesprächspartner benötigt ein kompatibles Gerät.
  • Mobile Datengeräte brauchen viel Fürsorge. Vom Laptop über das Smartphone bis zum USB-Stick: alles, was sensible Daten enthält, sollte wirkungsvoll verschlüsselt werden. Bei Laptops hilft übrigens nur Vollverschlüsselung mit Pre-Boot-Authentication. Verschlüsselte Partitionen o.ä. sind für einen geschickten Angreifer kein dauerhaftes Problem, wenn er Zugriff auf das Gerät selbst hat.
  • Misstrauen Sie Hotelzimmern, Besprechungsräumen und Autos. Die kleinen Technoinsekten mit den großen Ohren brüten hier besonders gerne.

Im Kontakt mit Schlapphutträgern

Es ist durchaus denkbar, dass Sie auf Reisen in bestimmten Ländern einmal in etwas näheren Kontakt mit Mitarbeitern des lokalen Nachrichtendienstes geraten. Dabei kann es sein, dass Sie um eine "kleine Gefälligkeit" gebeten werden...
  • Seien Sie immer freundlich und höflich, aber auch bestimmt - und sagen Sie nein.
  • Bleiben Sie hart! Gute Anwerber sind Meister der Psychologie und so manche geschickte Formulierung drückt den Angstknopf, ohne das etwas konkretes gesagt wurde.
  • Versuchen Sie sich nicht als Nachwuchsagent. Wenn die Trenchcoatträger Sie um Mitarbeit "bitten", so dürfen Sie dies auch nicht zum Schein akzeptieren (§99 StGB - die Einwilligung in eine Agententätigkeit ist strafbar).
  • Unterschreiben Sie nichts, was Sie nicht einhundertprozentig verstehen (am besten unterschreiben Sie garnichts).
  • Wurden Sie zur Mitarbeiter erpresst, so sollte nach der Landung auf heimischem Boden ihr allererster Gang zur Bundespolizei führen. Der Gesetzgeber lässt Sie  in einem solchen Fall vom Haken, wenn Sie sich unverzüglich melden und uneingeschränkt kooperieren.
    Sollten eine Bedrohung vorliegen, die auch in der Heimat weiterbesteht, so ist Vorsicht geboten - Sie haben vermutlich einen Schatten. Nehmen sie in diesem Fall verdeckt Kontakt mir dem Verfassungsschutz auf. Dort finden Sie Hilfe mit der notwendigen Diskretion.


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 Kommentare
18.05.2008 09:53:05  //  Gunnar Rau  // 
Geheimhaltung #3: Geheimnisse auf Reisen

Frage: Verschlüsselte Partitionen sind nicht sicher? Wie sieht es denn mit PGP aus? Kann man damit nicht auch Dateien verschlüsseln? Dann sollte doch alles sicher sein. Die RSA ist meiner Ansicht nach bisher nicht geknackt worden.

Übrigens: Interessanter Blog. Kleine Anregung: E-mail ist nach wie vor DAS unsichere Kommunikationsmedium. Vielleicht mal eine Abhandlung über dieses Risiko.

G. Rau

18.05.2008 11:54:04  //  Michael Ritter  //  http://www.sicherheitsblog.info
Re: Geheimhaltung #3: Geheimnisse auf Reisen

Das Problem mit verschlüsselten Partitionen ist der Zugriff auf das Betriebssystem selbst. Ist die Systempartition unverschlüsselt, so ist es nicht weiter schweierig, mittels Trojaner o.ä. an das Kennwort oder die Daten der Kryptopartition zu kommen, sobald der "echte" Benutzer einmal darauf zugreift. Mit Hilfe von Boot-CDs wie INSERT o.ä. kann man auch die Festplatteninhalte von Windows Rechnern nahezu beliebig manipulieren.

Bei Pre-Boot-Authentication ist das deutlich schwieriger (man müßte den Boot-Loader der Krypto-Software umschreiben, was nicht gerade einfach ist - gerade was die Weitergabe der Daten nach außen angeht). Wem selbst das noch zu riskant ist, dem empfehle ich eine PCMCIA-Kryptokarte (möglichst mit VS-Zulassung) - diese Dinger sind fast unmöglich zu manipulieren.

Was RSA angeht, so gehen die Meinungen auseinander. Bei ausreichender Schlüssellänge ist RSA zumindest sehr schwer zu brechen (sicherlich nicht durch "Hacker"). Aber nicht vergessen: RSA wird i.d.R. nicht zur Datenverschlüsselung selbst eingesetzt, sondern schützt einen linaren Schlüssel, der dann die eigentlichen Daten veschlüsselt. In den meisten Systemen ist dieser 128 Bit lang, was nicht schlecht, aber auch nicht wirklich gut ist. Am Ende hängt es aber meistens am Kennwort.

Und danke für die Anregung. E-Mail-Sicherheit ist eines meiner erklärten Spezialgebiete. Weiß selbst nicht, warum ich darüber noch nicht allzu viel geschrieben habe.



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