11.06.2008 Michael Ritter
Filmreifer Museumsraub in Vancouver
Na gut, in Hollywood wäre dieser Plot vielleicht als "überzogen und unrealistisch" abgewiesen worden. Aber die Realität überholt ja gerne einmal die Phantasie. Was in Vancouver (Kanada) abgelaufen ist, hat so ziemlich alles, was dazu gehört: ausgetrickste Alarmsysteme, Gasmasken, stupide Wachleute und einen Goldschatz als Belohnung.
Kunstschätze im Wert von 2 Millionen US$ trugen die Räuber in der Nacht vom 23. auf den 24. Mai aus dem Anthropologie-Museum der University of British Columbia. Dies ist der größte Kunstraub in der Geschichte Kanadas.
Der Tatablauf hat es in sich. Zunächst vielen vier Stunden vor der eigentlichen Tat auf mysteriöse Weise diverse Überwachungskameras in Schlüsselpositionen aus. Genauer gesagt arbeiteten die Kameras anscheinend, zeichneten aber nicht mehr auf. Als der (einzige) diensthabende Wachmann eine Zigarettenpause machte, brachen die Täter in das Museum ein. Sie trugen Gasmasken und füllten den Innenraum mit Tränengas - ein kreativer Weg, um bei einer zufälligen Entdeckung Zeit zu gewinnen.
Die verbleibenden Kameras hatten leider wenig Chancen, das Geschehen aufzuzeichnen: nach den Regeln der Universität wird im Museum nachts das Licht ausgeschaltet, was den (sicherlich sehr hochwertigen) Kameras das Augenlicht raubte.
Die Diebe nahmen sich darauhin ihrer Beute an, einschließlich dreier mexikanischer Halsketten, die sich in einer Schublade befanden. Enteckt wurde der Diebstahl erst beim Schichtwechsel am nächsten Morgen um 9:00 Uhr.




Die Frage, warum der Sicherheitsdienst der Universität anscheinend weder auf den durch die Manipulation der Kameras ausgelösten Sabotagealarm noch auf den eigentlichen Einbruchalarm reagiert hatte, wurde im Rahmen der bisherigen Untersuchung geklärt: die Täter hatten etwa zur gleichen Zeit, in der die Kameras ausfielen, den besagten Sicherheitsdienst angerufen und sich als Mitarbeiter der zuständigen Sicherheitsfirma ausgegeben; sie hätten Probleme mit dem Sicherheitssystem und man möge Alarme während der Nacht einfach ignorieren. Eine Aufforderung, der diese begnadeten Sicherheitsfachkräfte anscheinend ohne Rückfrage oder Prüfung nachkamen.
Die Royal Canadian Mounted Police (RCMP) hat Interpol eingeschaltet, um bei den Ermittlungen zu helfen. Als Gehirn hinter dem Coup wird unbestätigten Angaben zufolge ein polizeibekannter Juwelendieb mit einer Vorliebe für hochklassige Juweliere vermutet. Die Spezialität dieses Edelganoven ist die Deaktivierung ausgeklügelter Sicherheitssysteme. Die Polizei hatte angeblich seine "Handschrift" erkannt.
Mittlerweile wurde ein Teil der Beute sichergestellt. Bei einer Hausdurchsuchung in Burnaby wurden mehrere Stücke unbeschädigt aufgefunden.
Die vom Museum ausgesetzte Belohnung von 50.000 US$ wurde in der Zwischenzeit von der Versicherung deutlich erhöht, die Polizei verrät aber nicht, um wieviel (schlau, gell?).
Informationen des Museum of Anthropology der University of British Columbia:
In der Presse:
- CBCnews: Fake phone call fooled UBC security in museum heist, police sources say
- CBCnews: Gas masks, bear spray used in Vancouver art heist
- Metro: Museum relieved after B.C. RCMP recover some stolen art treasures intact
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