01.09.2008   Michael Ritter
1,4 Millionen E-Mail-Adressen im Internet zum Download [ Update ] 

Dear english-speaking email address hunters,

This is not a place to obtain email addresses.

This is a blog on security issures, written by someone who is fighting people like you.

I will not answer emails asking me for addresses or links. Any comments to this effect will be deleted.

Very sincerely yours

Michael Ritter
Im Licht der aktuellen Diskussion über Adresshandel habe ich mich im Rahmen eines kleinen Experimentes per Google auf die Suche nach (Mail-)Adresssammlungen begeben. Das Ergebnis war erstaunlich.

Die Technik ist sehr einfach. Man nehme ein oder zwei Maildomänen, die wahrscheinlich vorkommen (wie z.B. gmx.de, yahoo.com) und eine Einschränkung auf ein geeignetes Dateiformat (z.B. CSV, XLS), z.B.:

filetype:csv yahoo.de gmx.de

Wer sich für Adressdatenbanken interessiert, der kann andere Suchkriterien verwenden:

filetype:csv münchen hamburg berlin strasse

Bei dieser Vorgehensweise handelt es sich natürlich nicht um eine ethisch fragwürdige Anleitung zum Hacken. Es ist lediglich normale Computerbedienung unter minimal erweiterter Gehirnnutzung. Leider fördert aber bereits diese Form der Recherche erstaunliche Ergebnisse zu Tage.

Ich habe in der Folge bewußt auf Verlinkung verzichtet. Wer die Ergebnisse nachvollziehen will, der sollte keine allzu großen Schwierigkeiten haben, die entsprechenden Dateien mit Google aufzuspüren.

And the winner is...

Einige Minuten Recherche förderten bereits eine Goldgrube zu Tage: die Webseite SuppressStorage.com bietet ein ganzes Fundbüro für Listen mit Mailadressen.

Eine der hier bereitgestellten Dateien enthält 1.458.372 Mailadressen. Die Ironie dabei: viele der bereitgestellten Adressdateien scheinen dem Dateinamen nach aus OptOut-Listen zu stammen.


Image:1,4 Millionen E-Mail-Adressen im Internet zum Download [ Update ]


Meine erste Kurzrecherche brachte noch keine konkreten Ergebnisse über diese Webseite und ihre genaue Funktion. Die Betreiber legen anscheinend sehr viel Wert auf Anonymität, während Ihr Datenvorrat eher das Gegenteil repräsentiert. Registriert ist die Domäne durch Privace Protection Service Inc. (Bellevue, USA).

Das Bereitstellen großer Mengen an Mailadressen in Verbindung mit einem Kampagnennamen legt den Verdacht nahe, dass es sich hier ume eine Art Auftragsannahme für einen Spambot handelt. Das ist momentan aber noch reine Spekulation. Vielleicht weiß ja einer meiner Leser etwas mehr über diese Seite.

Weitere "Anbieter"

Hier eine kleine Auswahl weiterer "Anbieter". Die Zahlen an Mailadressen sind weniger spektakulär, dafür sind aber viele dieser Dateien mit Postanschriften und manche sogar mit Geburtsdaten und weiteren Informationen angereichert.
  • Stocuri
    13.555 Mailadressen
  • U-Online
    4.848 Mailadressen
  • Hotel Outside, Österreich
    3.376 Namen und Mailadressen
  • Parlament der Republik Süd Afrika
    2.746 Mailadressen
  • PortalNovias.com
    2.149 Mailadressen
  • Venamax
    1.964 Datensätze mit Name, Geburtsdatum, Telefon, Mailadresse, Benutzername u.a.m.
  • adsl-netz.com
    1.192 Mail- und Postadressen (Server steht offen)
  • Zangersheide
    1.528 Datensätze mit Mail- und Postadressen
  • Nomad Africa
    1.243 Namen und Mailadressen
  • Saab History
    Offenes Upload-Verzeichnis mit diversen CSV-Dateien (anscheinend ein WP Blog)
  • Knauf Österreich
    diverse Dateien, 86 Adresssätze inkl. Postanschrift und Mailadresse, 880 Mailadressen
    (Server steht offen)
  • ChrisMedia GmbH
    505 Datensätze, teilweise mit Postadressen, Mailadressen u.a.m.
  • Traveldiary.de
    647 Mailadressen
  • Albert Deß
    344 Namen und Mailadressen der CDU Oberpfalz
  • ittajovo.com
    mehrere Dateien, zahlreiche Mailadressen und viele andere Angaben (Server steht offen)

Die Spitze des Eisberges

Ich habe hier nur eine kleine Auswahl an Treffern aufgelistet. Außerdem lassen sich mit etwas verfeinerter Suchmethodik sicherlich noch zahlreiche weitere Datenquellen aufspüren.

Es scheint leider immer noch zu viele Administratoren zu geben, die der Meinung sind, Daten im Internet seien sicher, solange niemand den Deeplink kennt. Diese Illusion wird oftmals direkt von Google wiederlegt. Suchmaschinen finden immer wieder auch solche Daten im Internet, die nicht von außen verlinkt sind. Ich konnte das vergangene Woche selbst anhand einer Entwurfsseiten unserer neuen Firmenhomepage nachvollziehen, die aus irgendwelchen Gründen vorab in Google auftauchte.

Wer sich als Administrator nicht so ganz sicher ist, was alles auf seinem Webserver liegt, sollte dringend nachforschen. Eine klare Verzeichnisstruktur mit entsprechend gesetzten Zugriffsrechten hilft dabei ungemein. Und sensible Daten "mal schnell" auf den Webserver zu legen sollten sich die Betroffenen tunlichst abgewöhnen.

[ Update vom 11.09.2008 ]

Die SupporssStorage-Webseite ist weiterhin fleißig aktiv. Der neustes Download enthält eine Datei mit 2,1 Mio. E-Mailadressen.


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 Kommentare
Trackback: tausendreporter.de

08.10.2008 19:27:25  //  merciful  // 
1,4 Millionen E-Mail-Adressen im Internet zum Download [ Update ]

Es ist ja heftig !

Übrigens Ihren Tipp ( und den Link ) hierher habe ich von der aktuellen " PC-WELT " 11-08

Kann man sich die auch Downloaden irgendwo als Datei...

Wenn man sie doch eh so finden kann ?

:-)

Danke !

Liebe Grüße @all

09.10.2008 06:27:37  //  Michael Ritter  //  http://www.sicherheitsblog.info
Re: 1,4 Millionen E-Mail-Adressen im Internet zum Download [ Update ]

@merciful: Danke für den Hinweis, ich schau dann gleich mal beim Kiosk vorbei.

In Sachen Link: die Adresse des Haupttreffers steht in Halbzoll-Lettern auf dem Schirm... ;) Die anderen habe ich bewußt nicht verlinkt, damit die "verlorenen" Dateien nicht noch mehr (Google-)Polularität gewinnen. Ich möchte hier auf ein Problem hinweisen, es aber möglichst nicht noch verschlimmern. Seit Veröffentlichung dieses Beitrags ist meine Seite ohnehin in bestimmten Kreisen ungeahnt beliebt geworden (siehe einige Kommentare - ist halt schwierig, wenn man kein Deutsch kann).

Viele Grüße

Michael

12.10.2008 17:12:54  //  Mr Who  // 
1,4 Millionen E-Mail-Adressen im Internet zum Download [ Update ]

Interessant, deine "Forschungs"-Ergebnisse! Die Frage eines Laien oder Naiven dazu: Und nun, was kann ich (ausser Spammail versenden) mit den vielen Adressen anfangen? Den Tip zu deiner Seite habe ich übrigens, wie @all, auch aus der PC-Welt 11/08.

Mr Who

12.10.2008 18:58:56  //  Michael Ritter  //  http://www.sicherheitsblog.info
Re: 1,4 Millionen E-Mail-Adressen im Internet zum Download [ Update ]

@Mr. Who: Die E-Mailadressen lassen sich in der Tat für Spam, aber auch für beliebige Angriffe per E-Mail verwenden (Viren, Phishing, Spionage, etc.). Weitaus kritischer sind aber einige der anderen Dateien, da hier z.T. Postadressen Telefon-/Handynummern und Geburtsdaten enthalten sind. Diese Daten sind in der Hand von Betrügern bares Geld wert.

Das beginnt beim SMS-Betrug und geht bis hin zu ausgewachsenem Warenbetrug oder Phishing. Leider gibt es nämlich immer noch viele Firmen, die noch nichts von Kundenkennwörtern gehört haben und sich bei der Auftragsabwicklung auf solche Daten als "Authentifizierung" verlassen (darunter auch mindestens eine große Kreditkartenfirma).

Dahinter steckt für mich aber noch eine andere Problematik: Informationelle Selbstbestimmung. Wem ich meine Mailadresse oder meine Handynummer gebe, das entscheide ich doch am besten selbst. Selbst der BGH sieht dies so. Firmen, die solche in gutem Glauben gemachten Angaben achtlos ins Internet stellen, handeln schlicht rechtswidrig.

12.10.2008 20:16:48  //  Mr Who  // 
1,4 Millionen E-Mail-Adressen im Internet zum Download [ Update ]

Danke für deine Überlegungen! Das mit der informationellen Selbstbestimmung sehe ich genau so - nicht nur als Sozialarbeiter... Um mich selbst zu schützen, verwende ich übrigens überall dort, wo zu einer (fraglichen) Überprüfung meiner Identität nach einer e-mail-Adressen gefragt wird, eine "Wegwerf"-Adresse von z.B. www.spamgourmet.com/ Eine solche kann dann von mir aus in noch so vielen Verzeichnissen auftauchen - sie führt ja nur ins Cyber-Nirwana ;-)



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