Ein Jahr ist es her, dass Ermittler im sauerländischen Medebach einen spektakulären Fahndungserfolg erzielten: die Festnahme der sog. "Sauerlandgruppe" durch Beamte der Sondereinheit GSG-9. Dem Zugriff war eine äußerst aufwändige und langwierige Ermittlungsaktion vorausgegangen. Bis zu 600 Beamte waren beteiligt, etwa 40 Gebäude standen permanent unter Beobachtung.
Der Plan der Gruppe, bestehend aus Fritz G., Daniel Martin S. und Adem Y., war die Herstellung von Acetonperoxid (Apex), einem Gemisch aus Wasserstoffperoxid, Aceton und verdünnter Säure als Katalysator. Durch Mischung dieser drei Stoffe entsteht ein kristalliner, hochexplosiver und hochgradig instabiler Sprengstoff, den die Sauerlandgruppe für Anschläge auf noch nicht genau bestimmte, vorzugsweise amerikanische Ziele in Deutschland verwenden wollte.
Kaum waren nun bei den Mitgliedern der Gruppe die Handschellen zugeschnappt, ging auch schon die wilde Spekulation los, teilweise in der Presse und in großem Umfang in der Blogosphäre. Manche meinten damals, das Ganze wäre von der Polizei und der Politik maßlos aufgebauscht worden. Viele spekulierten, dass diese "fehlgeleiteten Jugendlichen" mit Ihrem selbst bekundeten Versuch, "so viele Menschen wie möglich zu töten", niemals Erfolg gehabt hätten.
Dahinter steht die Annahme, dass die drei Terroristen keine Chance hätten, den Sprengstoff herzustellen. Zugegeben, die chemischen Reaktionen bei der Herstellung sind radikal und das Endprodukt ist extrem instabil. Da ich kein Chemiker bin, fällt es mir schwer, dazu eine fundiertere Aussage zu treffen. Das ist allerdings mittlerweile auch garnicht mehr notwendig. Drei Monate nach der Festnahme der Sauerlandgruppe hat ein 15-jähriger Schüler aus Klein-Nordende im Kreis Pinneberg die Diskussion beendet - durch Herstellung von Apex im heimischen Elternhaus (Bericht in Die Welt).
Ein Terrorist war er nicht. Er war ein "interessierter Bastler". Und nein, er hat sich nicht selbst gesprengt. War das Glück? Ja, es war definitiv blindes, dummes, masslosen Glück. Das Munitionsräumkommando wagte es nicht einmal, den Sprengstoff abzutransportieren. Er wurde portionsweise auf einem benachbarten Feld detoniert.
Abseits aller Spekulationen über Glück und Zufall bleibt jedoch eine einfache Tatsache bestehen: ein 15-jähriger ohne Ausbildung hat mit Wissen, dass er im Internet erworben hatte, den Sprengstoff hergstellt und ihn anschließend gelagert (was bei Apex mit besonderen Herausforderungen verbunden ist). Quod erat demonanstrandum.
Was die terroristische Nutzung angeht bleibt das Transportproblem bestehen. Apex an Bord eines Flugzeuges zu schmuggeln ist aufgrund seiner extremen Schlagempfindlichkeit nur schwer vorstellbar. Seine Herstellung "in flight" erscheint ebenfalls eher unrealistisch. Die Verwendung gegen Ziele auf dem Boden ist jedoch durchaus denkbar. Vielen, die von "unmöglich" sprechen, entgeht ein wesentlicher Aspekt des islamistischen Terrorismus: viele Attentäter wollen im Rahmen Ihrer Tat sterben. Unfälle dürfen daher passieren.
Kommentare
So, 04.01.2009 21:06
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Do, 25.12.2008 00:01
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Di, 23.12.2008 22:42
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So, 21.12.2008 21:44
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Sa, 20.12.2008 14:14
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