Teil 1 - Wendelin Wiedeking (Vorstandsvorsitzender der Porsche AG)
Da hat sich nun wirklich einer den Abhör-Oscar verdient. Im Wolfsburger Hotelzimmer von Porsche Vorstandschef Wendelin Wiedeking wurde im November eine "Wanze" gefunden: ein Babyfon, platziert hinter dem Sofa seiner Suite im Hotel Ritz Carlton auf dem VW-Konzerngelände (siehe Bericht auf Focus Online).
Das Timing der Aktion war auffällig - unmittelbar vor der VW-Hauptversammlung am 16.11.2007. Gefunden wurde das Gerät vom Porsche-Sicherheitsdienst, der das Hotelzimmer überprüfte. Die eigenen Ermittlungen kamen nach offiziellen Angaben nicht sehr weit, lediglich der Aufenthalt eines (angeblichen oder tatsächlichen) Mitarbeiters des Hotel-Sicherheitsdienstes im Zimmer konnte ermittelt werden. Porsche hat mittlerweile Strafanzeige erstattet, die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat Ermittlungen aufgenommen.
Sofern dieses "hochmoderne Hightechabhörgerät" nicht einfach nur ins Hotelzimmer gelegt wurde, damit es gefunden wird, so ist die Wahl der technischen Lösung preisverdächtig.
Tatsächliche Wanzen gibt es als Set aus Sender und Empfänger ab ca. € 300,- im (etwas spezielleren) Laden. Und diese Wanzen sind klein genug, um bei einer normalen Rauminspektion nahezu unauffindbar zu sein - da muss dann schon der Wanzenspürtrupp ran.
Damit erscheint es zunächst unwahrscheinlich, dass die Wanze von VW selbst platziert wurde - deren Mitarbeiter hätten vermutlich eine bessere Abhörtechnik gewählt. Bewiesen ist damit aber nichts.
Mir stehen noch deutlich die Bilder vor Augen, als vor Jahren ein Kamerateam den Privatdetektiv Jean-Louis Royet aus Limburg a.d. Lahn auf einem Hotelparkplatz aus dem Auto bat - er hatte im Auftrag einer von Opel engagierten Anwaltskanzlei ihren ehemaligen Manager José Ignacio López de Arriortúa beschattete, Lederjacke und Sonnenbrille inklusive. Für mich war es eine Kindheitserinnerung: Royet, ein ehemaliger Beamter des Landeskriminalamtes, war mein Judo-Lehrer.
Diese Aktion zeigte deutlich, dass auch Großkonzerne manchmal so ungeschickt und amateurhaft vorgehen, dass selbst ein Fernsehteam (nichts für ungut) sie erwischen kann. Professionelle Observation geht anders.
Teil 2 - Uwe Hück (Vorsitzendes des Betriebsrates der Porsche AG)
Teil zwei der Affäre betrifft den Porsche Betriebsratschef Uwe Hück, dessen (Festnetz-)Telefon in seinem Zuffenhausener Büro anscheinend per Wanze abgehört wurde. Als eine der Reaktionen wird sein Büro offenbar gerade "abhörsicher" umgebaut - was eine Mischung aus technischer Sicherheit und PR ist, denn tatsächliche Abhörsicherheit ist in einem Büroraum kaum zu erreichen. Bestätigt wurde dies alles aber von Porsche bisher nicht.
Teil 3 - Dr. Wolfgang Bernhard (ehem. Vorstandsmitglied VW)
Der dritte und bisher letzte Teil der Affäre betrifft den VW-Markenvorstand Dr. Wolfgang Bernhard. In dessen Appartement in Wolfsburg wurde angeblich vor ca. zwei Jahren eine Wanze gefunden. Pikantes Detail am Rande: die Täter scheinen Führungskollegen Bernhards gewesen zu sein - deren etwas zu gute Informationslage hatte Bernhard aufmerksam gemacht. Ein privates Sicherheitsunternehmen fand daraufhin die Wanze.
Dabei zeigt sich wieder einmal das Grundproblem der Spionage: ungeschickte Verwendung der Erkenntnisse höhlt den Quellenschutz aus.
[ Update 29.04.2008 ]
Nach einem Bericht des SWR gibt es einen Verdacht gegen einen Mitarbeiter einer externen Sicherheitsfirma. Näheres ist bisher dazu nicht bekannt.
[Update 15.08.2008]
Nach einem Bericht der ARD hat die Staatsanwaltschaft Braunschweig das Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt eingestellt. Obwohl die man davon ausgehe, dass das Babyfon absichtlich platziert wurde, hätten die umfangreichen Ermittlungen keinen hinreichenden Tatverdacht gegen eine konkrete Person ergeben.
In der Mitteilung wurden auch einige Details bekannt gegeben: auf dem Babyfon fanden sich keinerlei Fingerabdrücke oder verwertbare DNA-Spuren. Herstellerbezeichnung und Chargennummer wurden entfernt.
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